Angry, Young and Loud – Fest (Klex | Greifswald)

Am 17./18.02.2012 ging es nach Greifswald zum ANGRY, YOUNG AND LOUD – FEST #1. Ein fettes internationales und auch lokales Line-Up mit einer Bandauswahl quer durch den Gemüsegarten. Bereits im Vorfeld hatten die VeranstalterInnen mit einigen Absagen und Planänderungen zu kämpfen, die schlußendlich natürlich, wie immer, bewältigt wurden.

Los ging es relativ zeitig mit TESLA CESSNA, die exakt am selben Tag noch für TROUBLEKID eingesprungen sind, einer lokalen Oldschool-Punkband aus Greifswald. Würdiger Start, knackiges Set ohne viel Gelaber. Es waren nahezu alle Anwesenden schon zu so früher Stunde schon im Saal, man kennt sich scheinbar. Ein wenig verheizt zu Anfang des Festivals, aber das lag laut Aussage der Band daran, dass sie quasi „Hausband“ der Location sind und quasi „ständig“ dort spielen. Solides Ding, solltet ihr mal auschecken, die kommen bald mit ihrer Debüt-EP um die Ecke.
TROCKENBROT aus Berlin-Spandau waren darauf am Drücker und sie spielten eine solide Mischung aus HC-Punk und Deutschpunk. Dreckig, rotzig, laut und gefährlich. Aber irgendwie nicht wirklich besonders… Es war auch weniger Publikum anwesend aber einige Leute konnten sogar mitsingen oder haben es zumindest versucht.

Nach kurzer Umbaupause ging es weiter mit COLLINA aus Polen. Alleine wegen des Namens (angelehnt an den berühmten glatzlöpfigen Schiedsrichter) schon unvergleichlich, aber auch musikalisch ein echtes Brett. Die Überraschung des Abends. Ihr Motto „HC=PUNK“ spiegelte sich auch in ihrem Auftreten wieder. Geiler Scheiß! Fast aus Russland angereist und dann so ein geiles Set abgeliefert. Es ist immer wieder überraschend, was in unserem Nachbarland für Talente schlummern. Der Saal war voll und war nah an der Sidetemperatur. Unbedingt zu Empfehlen!
Danach ging es weiter mit den italienischen Wahlberlinern von ONE TRAX MINDS. Die waren mir keine Unbekannten, denn ein paar Wochen zuvor war ich auf deren Release-Party, stilecht in einer Berliner Pizzeria. Auf fremden Terrain taten sie sich ein wenig schwerer, aber trotzdem bekamen sie das, mittlerweile schon musikalisch gut „belastete“, Publikum zum Wippen und Klatschen. Schicker Mid-Tempo Streetpunk mit einer gehörigen Portion Mitsing-Potential. Hat Spaß gemacht.

Den Abschluss des Abends lieferten dann REVOLTING RIVAL aus Riesa in Sachsen. Wo erst gar nicht klar war, OB und WANN sie ankommen. Aber es ging alles glatt und sie gingen quasi von der Autobahn auf die Bühne und dann auch quasi direkt wieder auf die Autobahn. Ging wohl nicht anders, aber so sieht Engagement aus! Punkrock mit Hardcore-Einflüssen, sehr abwechslungsreich durch 2 Gesänge. Ob das sein muss, darf man sich gerne fragen, mir persönlich hätte eine zweite Gitarre besser gefallen und der Mucke mehr Druck verliehen, aber war auch so nicht übel!
Als Ausklang lieferten die ONE TRAX MINDS und ihr belgischer Tonmann unzählige Anekdoten von der Straße und aus gewissen Backstage-Betten/Räumen. Von SLAYER bis BRIAN ADAMS und von Flatulenzen bis Knastaufenthalt war alles dabei, da die Herren wohl schon einige Jahre in anderen Bands und als Roadies aufm Buckel haben. Herrlich! Unvergesslich. Um 6 ging es ins Bett und um 9 waren die Berliner schon wieder auf dem Weg zum nächsten Konzert, echte Rockstars halt!

Tag Zwei begann dann mit GEHACKTES aus Neubrandenburg. Crust-Punk! Nicht mein Ding, macht mir schlechte Laune. Hab mir trotzdem die Hälfte des Sets angetan, gar nicht so übel. War deren erster „großer“ Auftritt und sie hatten alle ihre Freunde mitgebracht. Wie schon am Vortag eigentlich beim Opener die meisten Leute im Saal. Ich freu mich auf jeden Fall, dass sich in Meck-Pomm auch dahingehend was tut. Crustpunx not dead!
Als nächstes KZK wiederum aus Polen, auch kurzfristig eingesprungen. Auch die waren mit einigen „Fans“ angereist. Hat mich nicht umgehauen, hatten einige Songs zum Mitwippen dabei, aber das war es dann auch. Ansonsten kam ich mit dem Auftreten der Jungs nicht ganz klar, Publikum zum Mitklatschen auffordern und keiner macht mit, ist dann schon ein bisschen „komisch“. Das muss man als Band schon gekonnt einsetzen können. Und auch Ansagen als würden sie Headliner auf der VANS WARPED Tour sein. Naja… Das Publikum ist zumindest nicht abgehauen.

Anders dann bei SCREAMING MONKEYS von der Insel Usedom. Der Saal war schon nicht doll gefüllt und wurde quasi „leergerockt“. Ich selbst hab die Band zu oft gesehen und es war jedes Mal ein wenig „überzogen“. Nochmal der Tipp an die Jungs, das Set ein wenig knackiger zu machen und vielleicht auch die Songs nicht alle so zu überladen. 2-3 Soloparts und 4 Strophen bei nahezu jedem von 15 Songs sind dann doch ein wenig zu viel, zumindest für den Durchschnitts-Punk. Da hab ich mich lieber im Backstage mit GEHACKTES vergnügt. Dadurch hab ich leider auch REISEGRUPPE MORGENTHAU verpasst, aber ich sag euch, die waren gut, sind sie immer. Und sie waren voll, wenn sie voll sind, sind sie noch besser! TRUE STORY!

Was bleibt nach so einem Abend? Bisschen wenig Resonanz, noch weniger als erwartet. Traurig. Vielleicht war es zu kurzfristig für alle Beteiligten, da bleibt nur zu hoffen, dass bei der zweiten Auflage mehr los ist und dass sich das Line-Up vielleicht ein bisschen mehr an der internationalen Klasse vom ersten Tag orientiert! Wir werden sehen…

Bilder: Felix Walleson